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Prozesse gegen Nazis
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Leserbriefe zur Veranstaltung des Hilchenbacher Bündnisses im Gemeindehaus
| Nazis danken für Toleranz |
| 02.02.2001 / LOKALAUSGABE / KREUZTAL |
Hilchenbach. Betr.: Veranstaltung gegen
Rechtsextremismus in Hilchenbach, WR vom 31.1. und 1.2. Zu Beginn kam es zu einem
"Zwischenfall", als ich die anwesenden Gäste darauf aufmerksam machen wollte,
dass sich sieben Neo-Nazis im Saal befinden.
Leider konnte ich die Argumente gegen das Verbleiben der Neo-Nazis
im Saal nicht ausreichend darlegen. Durch die Duldung der Nazis im
Saal wurde der Eindruck erweckt, dass diese ja gar nicht so schlimm sein können, wenn man
ihnen die Möglichkeit gibt, sich zu Wort zu melden oder auch nur anwesend zu sein.
Die Neo-Nazis werden sich für die Toleranz artig bedanken,
aber in ihren Menschen verachtenden, intoleranten Bestrebungen fortfahren. Den Neo-Nazis eine Plattform für ihre Beiträge bei einem solchen Treffen
zu geben, ist ein Schlag ins Gesicht aller Menschen, die Opfer des rechten Terrors
geworden sind oder noch werden. Die Neo-Nazis im Saal zu
lassen, war schon schlimm; den Vogel aber schoss Manfred Zabel ab, als er erklärte, dass
sich der Faschismus heute nicht mehr durchsetzen könnte, da die deutschen Unternehmer aus
der Geschichte gelernt hätten und ihnen das Ansehen Deutschlands im Ausland wichtiger
geworden wäre. Dies ist also der Grund, warum wir die Immigranten vor Nazis schützen! Menschenverachtung und selbstherrliches
Demokratieverständnis war an diesem Abend nicht nur bei jungen Kahlköpfen zu
konstatieren.
Frank Nitzsche Per E-Mail
| Gewalt-Opfer zeigte Zivilcourage |
| 13.02.2001 / LOKALAUSGABE / KREUZTAL |
| Hilchenbach. "Nazis danken für Toleranz", Leserbrief von Frank Nitzsche, WR
vom 3.2. Das Antidiskriminierungsbüro bedauert die Äußerung von Herrn Nitzsche
bezüglich der Hilchenbacher Veranstaltung sehr. Im September vergangenen Jahres
hat ein von rechtsradikaler Gewalt Betroffener unser Büro aufgesucht und um Hilfe
gebeten. Daraufhin wurden die Mitarbeiterinnen tätig und wandten sich an
verschiedene Hilchenbacher Institutionen sowie an überregionale Organisationen (u.a. AStA
der Universität Siegen und Antifa-AG), um ein gemeinsames Projekt gegen
Rechtsradikalismus zu initiieren. Hier ist besonders der evangelischen
Kirchengemeinde in Hilchenbach zu danken. Aus Erfahrung wissen wir, dass
Diskriminierung - welcher Art auch immer - ein Alltagsproblem ist, aber nur wenige
Menschen solche Erfahrungen schildern und professionelle Hilfe suchen. Man konnte
vermuten, dass es noch mehr Betroffene in Hilchenbach gibt. Deshalb war es den
Mitarbeiterinnen des Antidiskriminierungsbüros besonders wichtig, das Thema auf
politischer Ebene zu behandeln und zu überlegen, wie Betroffene geschützt und
unterstützt werden können. Es bot sich an, die Bewohner der Stadt Hilchenbach in einer
Informationsveranstaltung zu Zivilcourage und aktiver Mitwirkung aufzufordern. Die
sichtbare und spürbare Unterstützung von über 300 teilnehmenden Personen im Saal war
ein wichtiges Zeichen für den Betroffenen selbst, der auf dieser Veranstaltung über
seine Erfahrungen mit Rechtsradikalismus in Anwesenheit der besagten Nazis
berichtet hat. Das nennen wir Zivilcourage! Das Verhalten von Herrn Nitzsche
deutet hingegen gar nicht auf ein so seltenes Gut hin. Zwar hatte Herr Nitzsche an den
Vorbereitungstreffen im Vorfeld des Hilchenbacher Bündnisses - vor seiner Gründung -
teilgenommen, doch kürzliche Absprachen vor der Veranstaltung gar nicht mitbekommen, da
er von weiteren Vorbereitungstreffen fern blieb. Bezüglich der beleidigenden
öffentlichen Äußerung gegenüber dem Moderator, Herrn Professor Manfred Zabel, möchte
sich das Antidiskriminierungsbüro ebenfalls deutlich distanzieren. Denn Herr Nitzsche war
scheinbar in der gegebenen Situation von seinen Emotionen geleitet, sodass er die
eigentliche Aussage des Kurzreferates nicht erfassen konnte. Alice Rademacher
Mitarbeiterin des Antidiskriminierungsbüros Hinterstraße 52 57072 Siegen
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