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Hilchenbacher Bündnis
für Toleranz und Zivilcourage |
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Ein trauriges Jubiläum: 1992 war das Jahr, in dem Siegerländer Nazi-Skinheads erstmalig brutal und lebensgefährlich zuschlugen. Die Fakten: 01.05.1992: Siegen-Weidenau: rechtsextreme Skinheads schlagen einen auf einer Bank schlafenden Obdachlosen zusammen. 03.05.1992: Siegen-Weidenau: drei rechtsextreme Skins überfallen einen chinesischen Gastdozenten der Universität Siegen und treten so lange auf ihn ein, bis er bewusstlos liegenbleibt. Der Dozent leidet noch heute an den Folgen dieses rassistischen Verbrechens. 17.10.1992: Hennef/Sieg: drei Siegerländer Nazi-Skins greifen auf dem Weg zu einem Treffen der inzwischen verbotenen rechtsextremen FAP in Hennef einen Tamilen an, schlagen und treten ihn zusammen und lassen ihn schwer verletzt auf einer vielbefahrenen Straße liegen. 15.12. 1992: Siegen-Weidenau: Brutaler Mord an dem sehbehinderten Bruno Kappi. 25.12.1992: Wilhelmshaven: Zwei Siegener Neo-Nazis führen dort einen Raubüberfall durch. 26.12. 1992: Oldenburg: Ein älteres Ehepaar wird von einem bewaffneten Siegener Neo-Nazi überfallen und ausgeraubt. Die Täter: Beteiligt an den beiden Nazi-Verbrechen gegen den Chinesen und
den Tamilen war ein damals 16 jähriger Schüler, der zur Nazi-Skinhead-Szene
gehörte. Nach eigenen Aussagen vor Gericht war er durch Musik von Nazi-Bands
wie "Störkraft" und durch ältere "Freunde" , die schon als
Nazis aktiv waren (FAP), in rechtsextreme Kreise geraten. Die Bindung an
diese Ideologie war so stark, dass er seinen Körper mit Nazi-Tätowierungen,
u.a. einem Hakenkreuz, "verzieren" ließ. Das Urteil gegen ihn lautete
auf 4 Jahre und 3 Monate Jugendstrafe wegen gemeinsamer gefährlicher Körperverletzung. Wegen des Mordes an dem sehbehinderten Kappi standen der schon wegen des Überfalls
auf den Tamilen verurteilte 20jährige Auszubildende sowie ein 16jähriger Schüler
vor Gericht. Beide mussten vom Mordvorwurf freigesprochen werden, da, wie es im
Urteil heißt, "der prozentuale Täternachweis nicht möglich" war.
Allerdings wurde der 16jährige wegen vier Raubüberfällen im Zeitraum vom
14.12. - 26.12.1992 zu drei Jahren Jugendstrafe verurteilt. Die Sympathisanten: Auf den Reihen der inzwischen verbotenen Nazi-Partei FAP
wurden zu den Prozessen Funktionsträger zur Prozessbeobachtung abgestellt.
Diese versuchten im Gerichtsgebäude Fotos von antifaschistischen Prozessbesuchern
zu machen. 10 Jahre später: Nach Aussagen des Haupttäters von vor 10 Jahren ist er durch Nazi-Musik und ältere Nazi-Freunde in den Rechtsextremismus hineingezogen worden. Jugend-Psychologen beschreiben ebenfalls die Gefahr dieser Musik als Einstiegsdroge für ohnehin labile Jugendliche. Das bestätigt zwei Zielrichtungen des Hilchenbacher Bündnisses: Jugendliche und Eltern werden über die kriminellen Inhalte der Nazi-Musik informiert, Jugendliche und Eltern erfahren, an welchen Symbolen, Abzeichen, Flaggen und Phrasen Neo-Nazis identifizierbar sind und mit welchen Methoden diese versuchen, "Nachwuchs" anzuwerben. Viele Eltern, aber auch Jugendliche, haben sich bisher für die Informationen in unseren Veranstaltungen und auf unserer Website bedankt. Allgemeiner Tenor: "Das haben wir bisher noch nicht gewußt. Danke für die Aufklärung." Übrigens: Einer der damals Verurteilten lebt heute noch in Hilchenbach, ein anderer Verurteilter ist von Hilchenbach nach Rostock/Mecklenburg-Vorpommern verzogen. Alle Angaben sind entnommen dem Buch : Rechtsextremismus im Siegerland, Eine Bestandsaufnahme, Siegen 1994, in dem viele einschlägige Presseartikel von 1992 dokumentiert sind. Hinweis: Diese Seite über die Siegener Skinheadprozesse hat zu einer Vielzahl an Einträgen in unserem Gästebuch geführt. Unter anderem hat sich auch einer der damals Verurteilten mehrmals zu Wort gemeldet. Alle diese Einträge können gelesen werden und sind sehr aufschlussreich. Buchempfehlung : Der brandaktuelle Erfahrungsbericht eines
deutschen Gerichtspsychiaters über rechtsextreme Gewalttäter: Andreas
Marneros, Hitlers Urenkel,
München 2002, Scherz-Verlag |
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