Hilchenbacher Bündnis für Toleranz und Zivilcourage
Unterstützt von den Evangelischen Kirchengemeinden Hilchenbach und Müsen sowie dem Bürgermeister der Stadt Hilchenbach


Unterstützung
Flaggen
Nazi-Musik
Rock für Deutschland
Sport gegen Rechts
Musiker und Bands
 
gegen Rechts
PRESSE
Gewalt
Zeichen/Symbole
Internet
Kneipen
Resolution
Hinweise
Gästebuch
Juden  in Hilchenbach

Prozesse gegen Nazis
Skinheads

Ein trauriges Jubiläum:
19 Jahre rechtsextreme Gewalt im Siegerland


1992 war das Jahr, in dem Siegerländer Nazi-Skinheads erstmalig brutal und lebensgefährlich zuschlugen.

Die Fakten:

01.05.1992: Siegen-Weidenau: rechtsextreme Skinheads schlagen einen auf einer Bank schlafenden Obdachlosen zusammen.

03.05.1992: Siegen-Weidenau: drei rechtsextreme Skins überfallen einen chinesischen Gastdozenten der Universität Siegen und treten so lange  auf ihn ein, bis er bewusstlos liegenbleibt. Der Dozent leidet noch heute an den Folgen dieses rassistischen Verbrechens.

17.10.1992: Hennef/Sieg: drei Siegerländer Nazi-Skins greifen auf dem Weg zu einem Treffen der inzwischen verbotenen rechtsextremen FAP    in Hennef einen Tamilen an, schlagen und treten ihn zusammen und lassen ihn schwer verletzt auf einer vielbefahrenen Straße  liegen.

15.12. 1992: Siegen-Weidenau: Brutaler Mord an dem sehbehinderten Bruno Kappi.

25.12.1992: Wilhelmshaven: Zwei Siegener Neo-Nazis  führen dort einen Raubüberfall durch.

26.12. 1992: Oldenburg: Ein älteres Ehepaar wird von einem bewaffneten Siegener Neo-Nazi überfallen und ausgeraubt.


Die Täter:

Beteiligt an den beiden Nazi-Verbrechen gegen den Chinesen und den Tamilen war ein damals 16 jähriger Schüler, der zur Nazi-Skinhead-Szene gehörte. Nach eigenen Aussagen vor Gericht war er durch Musik von Nazi-Bands wie "Störkraft" und durch ältere "Freunde" , die schon als Nazis aktiv waren (FAP),  in rechtsextreme Kreise geraten. Die Bindung an diese Ideologie war so stark, dass er seinen Körper mit Nazi-Tätowierungen, u.a. einem Hakenkreuz, "verzieren" ließ. Das Urteil gegen ihn lautete auf 4 Jahre und 3 Monate Jugendstrafe wegen gemeinsamer gefährlicher Körperverletzung.
Ein 20-jähriger Auszubildender erhielt wegen des Verbrechens gegen den Tamilen 3 Jahre und 9 Monate Jugendstrafe.
Ein damals 22-jähriger, der schon sieben Vorstrafen wegen Körperverletzung, Diebstahl und Verbreitung von verfassungswidrigen rechtsextremen Symbolen hatte, wurde wegen des Verbrechens gegen den Tamilen zu 3 Jahren und drei Monaten verurteilt.
Richter Dirk Batz beim Tamilenprozess in seiner Urteilsbegründung: "Trinken, die rechtsradikale Musik, die Randale waren das, was ihnen Spaß machte. ...Kaltblütig und ohne Mitleid, aus Fun an der Zerstörung eines Menschenlebens haben sie zugetreten auf einen Menschen, der ihnen nichts, aber auch absolut nichts getan hat."

Wegen des Mordes an dem sehbehinderten Kappi standen der schon wegen des Überfalls auf den Tamilen verurteilte 20jährige Auszubildende sowie ein 16jähriger Schüler vor Gericht. Beide mussten vom Mordvorwurf freigesprochen werden, da, wie es im Urteil heißt, "der prozentuale Täternachweis nicht möglich" war.  Allerdings wurde der 16jährige wegen vier Raubüberfällen im Zeitraum vom 14.12. - 26.12.1992 zu drei Jahren Jugendstrafe verurteilt.
Der damalige Vertrauenslehrer an der Haardter-Berg-Schule in Weidenau, die damals auch von dem 16jährigen besucht wurde, sagte allerdings 1994 in einem Interview (in: Rechtsextremismus im Siegerland, Eine Bestandsaufnahme, Siegen 1994), dass er "trotz des Freispruchs" daran glaube, dass "Schüler von uns ... in den Mordfall verstrickt sind." Nach dessen Aussage waren auch an dem Verbrechen gegen den chinesischen Wissenschaftler Schüler seiner Schule beteiligt. Er beschrieb in diesem Interview ausführlich, wie eine kleine Gruppe von Skinheads an seiner Schule versuchte, rechtsextreme und rassistische Propaganda zu betreiben. Erst die Verhaftungen nach 1992 hätten es wieder ruhiger werden lassen.


Die Sympathisanten:

Auf den Reihen der inzwischen verbotenen Nazi-Partei FAP wurden zu den Prozessen Funktionsträger zur Prozessbeobachtung abgestellt. Diese versuchten im Gerichtsgebäude Fotos von antifaschistischen Prozessbesuchern zu machen.
Die FAP meldete eine Demonstration am 30. Januar (!) 1994 vor dem Gerichtsgebäude an unter dem Motto: "Gegen politische Verfolgung und Justizwillkür". Diese Demonstration wurde jedoch vom Oberkreisdirektor Forster verboten.


10 Jahre später:

Nach Aussagen des Haupttäters von vor 10 Jahren ist er durch Nazi-Musik und ältere Nazi-Freunde in den Rechtsextremismus hineingezogen worden. Jugend-Psychologen   beschreiben ebenfalls die Gefahr dieser Musik als Einstiegsdroge für ohnehin labile Jugendliche.

Das bestätigt zwei Zielrichtungen des Hilchenbacher Bündnisses: Jugendliche und Eltern werden über die kriminellen Inhalte der Nazi-Musik informiert, Jugendliche und Eltern erfahren, an welchen Symbolen, Abzeichen, Flaggen und Phrasen Neo-Nazis identifizierbar sind und mit welchen Methoden diese versuchen, "Nachwuchs" anzuwerben. Viele Eltern, aber auch Jugendliche, haben sich bisher für die Informationen in unseren Veranstaltungen und auf unserer Website bedankt. Allgemeiner Tenor: "Das haben wir bisher noch nicht gewußt. Danke für die Aufklärung."

Übrigens: Einer der damals Verurteilten lebt heute noch  in Hilchenbach, ein anderer Verurteilter ist von Hilchenbach nach Rostock/Mecklenburg-Vorpommern verzogen.


Alle Angaben sind entnommen dem Buch : Rechtsextremismus im Siegerland, Eine Bestandsaufnahme, Siegen 1994, in dem viele einschlägige  Presseartikel von 1992 dokumentiert sind.

Hinweis: Diese Seite über die Siegener Skinheadprozesse hat zu einer Vielzahl an Einträgen in unserem Gästebuch geführt. Unter anderem hat sich auch einer der damals Verurteilten mehrmals zu Wort gemeldet. Alle diese Einträge können gelesen werden und sind sehr aufschlussreich.

Buchempfehlung : Der brandaktuelle Erfahrungsbericht eines deutschen Gerichtspsychiaters über rechtsextreme Gewalttäter:  Andreas Marneros, Hitlers Urenkel, München 2002, Scherz-Verlag
Aus dem Klappentext: "Eine packende, bewegende Lektüre, die deutlich macht: Rechtsradikale Gewalt ist schlicht kriminelle Gewalt."

 

Email-Kontakt:  kontakt@hilchenbacherbuendnis.de