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Mannschaftsbild mit dem - inzwischen ausgeschiedenen -
Jugendtrainer veröffentlichte Grün-Weiß auf seiner
Homepage. |
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Siegen. (ng) Dass Neonazis und
Rechtsextremisten ihre Weltanschauung mit Vorliebe im Fußballumfeld
verbreiten, ist längst bekannt. Nicht bekannt war bisher, dass bei den
Vereinen Grün-Weiß Siegen und Sportfreunde Obersdorf/Rödgen (beide
bilden im Jugendbereich eine Spielgemeinschaft) ein Trainer tätig war,
der auf eine lange "braune Karriere" zurückblickt.
Martin
S., führendes Mitglied der rechtsextremen Sauerländer Aktionsfront,
mehrfach einschlägig vorbestraft, trainierte fast ein Jahr
lang die gemeinsame D 1-Jugendmannschaft der Vereine. Erst als die
antifaschistische "Projektgruppe Reader", die 1994 durch das
Buch "Rechtsextremismus im Siegerland" bekannt geworden ist,
sich mit den Aktivitäten von Martin S. befasste, war damit Schluss.
Bei beiden Vereinen sei S. nur unter dem
Nachnamen seiner Frau aufgetreten, versichern die Vorsitzenden Gerd
Stöckle (Grün-Weiß) und Klaus Krämer (Sportfreunde Obersdorf). Man
habe von seiner Neonazi-Vergangenheit nichts gewusst und auch den
eigentlichen Namen nicht gekannt. Beim Einwohnermeldeamt ist
aktenkundig, dass S. nur seinen Geburtsnamen zu Recht führen darf.
Weder hat er den Namen seiner Frau angenommen noch einen Doppelnamen.
In Fußballerkreisen ist S. durchaus bekannt
beziehungsweise berüchtigt: Er war Mitherausgeber
der braunen Postillen "Siegener Bärenruf" und "Sprung
auf - Marsch, marsch", die regelmäßig im
Verfassungsschutzbericht genannt wurden. Die Hooligan-Gruppe
"Siegener Bärensturm" fiel 1995 im Leimbachstadion auf, als
sie bei einem Sportfreunde-Spiel per Transparent für die Freilassung
des US-amerikanischen NSDAP-Führers Gary Lauck demonstrierte. 1998
hatte S. auf seiner Homepage anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft Mitfahrplätze
für den "Frankreich-Überfall" angeboten:
Bekanntlich schlugen und traten damals deutsche Hooligans einen
französischen Polizisten fast zu Tode.
Informationen fünf Wochen lang nicht
weitergegeben
Die Projektgruppe informierte am 19. Juni 2004
den Vorsitzenden von Grün-Weiß, Stöckle, über die Identität und den
politischen Hintergrund des Trainers. Der Briefschreiber Peter Beier
bekam allerdings keine Antwort. Auch der Vorstand der Sportfreunde
Obersdorf wurde von Grün-Weiß in keiner Weise informiert. "Ich
erfuhr erst fünf Wochen später von der Sache, als die Projektgruppe
mich direkt anschrieb", sagte Krämer. "Natürlich war ich
total geschockt. Mit Rechtsextremisten wollen wir absolut nichts zu tun
haben."
Auch Stöckle wurde aktiv - allerdings gegen
die Projektgruppe. Er erstattete Anzeige, weil er sich durch deren
Recherchen genötigt fühlte. "Das Ermittlungsverfahren der
Staatsanwaltschaft Siegen wurde aber gleich so schnell wieder
eingestellt, dass wir erst im Nachhinein überhaupt etwas davon
mitbekommen haben", sagte Beier.
Gegenüber der WR spielte der
Grün-Weiß-Vorsitzende die Sache herunter: Die D 1-Mannschaft sei
allein von der Ehefrau trainiert worden, S. habe "nur ab und zu auf
dem Platz dabeigestanden und manchmal ein bisschen mitgemacht, wie
andere Eltern junger Spieler das auch mal tun". Die braunen
Aktivitäten von S. seien längst erledigt, wie dieser ihm versichert
habe. Beide Eheleute seien übrigens nie Mitglieder von Grün-Weiß
gewesen.
Merkwürdig ist angesicht dieser Schilderungen,
dass monatelang auf der Website des Vereins ein - inzwischen entferntes
- Mannschaftsfoto mit dem Trainer S. im Mittelpunkt prangte.
"Dass sich jemand wie S. einschleicht,
dazu noch unter falschem Namen, das kann man den Vereinen wirklich nicht
anlasten", meint Beier. "Aber wie unterschiedlich die Vereine
damit umgegangen sind, als der Trainer dann enttarnt war, das spricht
schon Bände." Nur die Sportfreunde Obersdorf hätten schnell und
konsequent reagiert.
Die Rundschau bekam bei ihren eigenen
Recherchen von Stöckle den klaren Hinweis, über die Verbindungen
zwischen S. und Grün-Weiß nichts zu veröffentlichen. Andernfalls
werde er den Staatsschutz in Hagen informieren.
21.10.2004
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