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Hausverbot für
rechte Kleidermarken

Leicht verfremdete Symbolik
„Ausziehen oder draußen bleiben“, heißt
es bei immer mehr Vereinen im deutschen Fußball.
In den vergangenen Wochen und Monaten haben Hertha BSC,
Werder Bremen, Borussia Dortmund, der FC Carl Zeiss Jena, Dynamo Dresden
und der 1. FC Magdeburg sich am Vorbild des FC St. Pauli orientiert und
das Tragen bestimmter Kleidermarken in ihren Stadien verboten.
Mit
diesen Maßnahmen wollen die Vereine, so heißt es fast unisono in allen
Pressemitteilungen, „ein Zeichen gegen Rechts“ setzen und sich von
Fans distanzieren, die rechtsextremes Gedankengut im Stadion zur Schau
stellen. Grundlage für ein solches Verbot ist das
Hausrecht der Vereine, es spielt also keine Rolle, ob die
entsprechenden Kleidermarken oder Symbole als verfassungsfeindlich
eingestuft worden sind. Umgekehrt reicht die Gültigkeit von
Verfassung und Strafgesetzbuch natürlich ins Stadion hinein, d. h.
NS-Reichskriegsflaggen oder Hakenkreuze sind dort selbstverständlich
ebenfalls verboten.
Erkennung von Codes und Symbolen
So einfach wie es zunächst klingt, ist die Handhabung einer solchen
Regelung jedoch nicht., denn Ordner und Sicherheitsdienste müssen dazu
angehalten werden, sie auch tatsächlich umzusetzen. Dazu ist nicht nur
guter Wille nötig, sondern im Falle vieler Symbole und Codes, die in
der rechtsextremen Szene kursieren und so Signalwirkung nach innen und
außen besitzen, auch Sachkenntnis. Zweitligist FC Carl Zeiss Jena
hat im Zuge der Änderung der Stadionordnung eine Liste erstellt, auf der
auch allgemein weniger bekannte Symbole und Kleidungsaufschriften
verzeichnet sind, wie etwa der Buchstabencode „28“, der für B & H,
Blood & Honour, eine verbotene Neonazigruppierung, steht.
Auch bei Kleidermarken, die im Zentrum der meisten Neuregelungen der
letzten Monate standen, ist genaues Hinschauen wichtig. Am bekanntesten
bzw. berüchtigtsten ist derzeit das Label „Thor Steinar“, dessen
ursprüngliches Firmenlogo eine auch von der SS verwendete Rune enthielt
und daher in manchen Bundesländern teilweise verboten war bzw. ist.
Inzwischen ist das Logo geändert, der Verdacht, ein Label von und für
Rechte zu sein, bleibt jedoch bestehen, und die Marke erfreut sich in
der rechten Szene weiter großer Beliebtheit, wie jüngst auch der
Verfassungsschutz Brandenburg noch einmal feststellte:
„Bekleidungsstücke von ‚Thor Steinar’ bedienen in Farbgebung und
Schriftzügen eine als völkisch verstandene Symbolik. Die gotischen
Lettern werden von der Kundschaft mit dem NS-Regime in Verbindung
gebracht. Inhaltlich nehmen die Schriftzüge Bezug auf vorchristlichen
Germanen-Kult und eine glorifizierende Sicht der Wehrmacht.“
Lonsdale distanziert sich von NeoNazis
Wie eine wirklich überzeugende Distanzierung von den Nazis aussehen
kann, machte vor einigen Jahren der englische Kleidungsfabrikant
Lonsdale vor, dessen Pullover
wegen der in der Aufschrift enthaltenen Buchstaben NSDA (wie
NSDAP) gern von Rechten getragen wurden.
Um die unliebsame Kundschaft zu verprellen, wurden Verträge mit
Händlern gelöst, die der rechten Szene nahe stehen, man
sponserte antirassistische Veranstaltungen, unterstützte den
Christopher-Street-Day in Köln und startete eine Kampagne mit dem
Slogan „Lonsdale loves all colours“.
Hintergrundinformationen, die wichtig sind, um zu verstehen, weshalb
Lonsdale-Pullis bei Jena nicht auf der Liste stehen und inzwischen sogar
bei St. Pauli auf der Gegengerade zu sehen sind. Denn ein Blick in
Internet-Fanforen, in denen die Verbote diskutiert werden, zeigt, dass
es auch hier zu Missverständnissen kommt und Aufklärungsbedarf besteht.
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