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Rechtsextreme Gewalt gegen jüdische Bürgerinnen
und Bürger in Hilchenbach - Einige Schlaglichter
Auch an Hilchenbach ging die Nazi-Barbarei des rechtsextremen Rassismus
nicht vorbei.
Zur Erinnerung seien hier einige Passagen aus dem Büchlein von Klaus Dietermann "Familie
Levi Holländer - Ein jüdisches Schicksal aus Hilchenbach" zitiert:
"Am 9. November 1938 brannten die Synagogen in Deutschland - ein
letztes Zeichen. Am folgenden Morgen wurden einige der Hilchenbacher Juden
auf den Marktplatz gezerrt und dort mißhandelt. Ältere
Bürgerinnen und Bürger der Stadt wissen noch heute davon zu erzählen. Zum Glück
schritt der Ortspolizist Schramm ein, nahm die Juden fest und verhinderte so Schlimmeres.
.."
Brennende Siegener Synagoge 1938
"Um dieselbe Zeit brannte in Siegen die Synagoge nieder. Das
Benzin, das für den Brand benötigt wurde, war morgens aus Hilchenbach
beschafft worden, wie aus den Prozeßakten gegen die Brandstifter nach dem Krieg zu lesen
sein wird. Jüdische Männer zwischen 14 und 70 Jahren aus dem Kreis Siegen kamen erstmals
für einige Wochen in ein Konzentrationslager. "
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Ein Waldspaziergang der Hilchenbacher Familien Schäfer und
Holländer 1924. Wer von ihnen nicht das Glück oder das Geld hatte, nach 1933
flüchten zu können, war spätestens 1943 ermordet. |
Über die Ermordung Hilchenbacher Mitbürger jüdischen Glaubens
durch die Nazi-Rassisten:
" Beim ersten Transport waren dann die Familien Joseph Holländer und Karl
Schäfer betroffen. Sie erhielten die Nachricht am 27. April 1942. Sie hatten
sich am folgenden Tag in Siegen am Bahnhof einzufinden. ... Dies war der erste von
insgesamt vier Deportationen, die die Juden aus dem Kreis Siegen und Wittgenstein
betrafen. Nächster Halt des Zuges war Dortmund. Dort kamen dann rund 1500 jüdische
Männer, Frauen und Kinder aus dem Regierungsbezirk Arnsberg zusammen. Ziel des
Transportes war der Bezirk Lublin in Polen, genauer gesagt die kleine Kreisstadt Zamosc.
Dort wurde bei der Ankunft "selektiert", d.h. alle Menschen, die für
Zwangsarbeiten noch zu jung oder schon zu alt waren, wurden in die nahegelegenen Vernichtungslager
Sobibor oder Belcec gebracht. Die anderen hatten vielleicht noch das Glück, für
einige Monate zu Arbeiten herangezogen zu werden, ehe auch sie ermordet wurden."
Julie, Ruth und Joseph Holländer 1918
nach Joseph H's Rückkehr aus dem 1. Weltkrieg, an dem er als deutsch-
national gesinnter Soldat im 3.Battr.Fußart.Batl. 87
teilgenommen hatte. |

Letztes Foto von Julie und Joseph Holländer vor
ihrer Deportation und Ermordung 1942. Joseph H's Einsatz als Soldat für
sein deutsches Vaterland wurde ihm von den Nazis nicht gedankt. |
"Der nächste Deportationszug verließ schon am 27. Juli 1942 den Siegener
Bahnhof. Mit ihm wurden alte jüdische Menschen nach Theresienstadt bei
Prag deportiert. Es betraf dann die 74jährige Sara Rosa (gen. Röschen)
Hony aus Hilchenbach. ... Am 28. August starb Röschen Hony in Theresienstadt.
Familie Willi Holländer blieb noch weiter in Hilchenbach. Sie waren die letzten
jüdischen Menschen in der Kleinstadt, wo vor 10 Jahren noch eine kleine Gemeinde von rund
30 Jüdinnen und Juden zu Hause war. Willi Holländer arbeitete zuletzt als Hilfsarbeiter
bei der Firma W.&E. Berg. ..."
Der
Hilchenbacher Junge Arno Alfred Holländer, ermordet 1943
im Alter von 15 Jahren, weil er Jude war.
"Die Eheleute Willi und Gerti Holländer sowie die beiden Söhne Arno und
Lothar wurden mit dem dritten Transport am 27. Februar 1943 von Siegen nach
Dortmund gebracht. ... Der Zug verließ am 1. März Dortmund. Sein Ziel hieß Birkenau
(bei Auschwitz). Dort kam er am 3. März an."
Gedenktafel am Bahnsteig in Siegen Heute endet an diesem
Bahnsteig die Bahnlinie Hilchenbach - Siegen.
Hilchenbacher Opfer der Nazi-Gewalt
| 1. Stern, Karoline |
5. Hony, Sara Rosa (genannt "Röschen") |
9. Holländer, Willi |
| 2. Stern, Herz |
6. Holländer, Joseph |
10. Holländer, Elisabetha (gen. "Gerti") |
| 3. Schaefer, Karl |
7. Holländer, Julie |
11. Holländer, Arno Alfred |
| 4. Schaefer, Bianca |
8. Holländer, Artur |
12. Holländer, Lothar |
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Judenstern
Ab dem 23. November 1939 mussten Juden im von deutschen Truppen
besetzten Polen, ab dem 1. September 1941 auch die Juden im Deutschen
Reich den gelben Judenstern tragen.
Auch im Siegerland
mussten die verbliebenen Juden bis zu ihrem Transport in die
Vernichtungslager den Davidstern tragen.
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"Stolpersteine"
Am 30. April 2008 verlegte der Künstler Gunter Demnig
im Hilchenbacher Stadtzentrum insgesamt 12 STOLPERSTEINE .
Die 10 x 10 x 10 Zentimeter großen, mit Messingplatten belegten
Betonsteine erinnern mit einer persönlichen Inschrift an die zwölf
während der NS-Zeit deportierten und ermordeten Hilchenbacher Juden.
Mehr Informationen auf diesem Link zur Website der Stadt
Hilchenbach |
Alles nur Geschichte?
Auf dem gleichen Marktplatz, auf dem 1938 jüdische Mitbürger
mißhandelt worden waren, wurden 2001 wieder judenfeindliche
antisemitische Parolen gebrüllt. Hier der Bericht der
Siegener Zeitung:
Siegener Zeitung (11.6.01) über einen Samstagabend
in Hilchenbach:
"Orgie rechter Gewalt auf dem Markt"
"Betrunkene Skins griffen Ausländer und Deutsche an
- Rechtsradikale Parolen gegrölt - Kampfhundebesitzer mit dabei "
--Den ungekürzten Artikel gibt es hier: http:/frodo.siegener-zeitung.de/sz-neu/archiv/artikel/2001061121351
( =
Der einzige Weg: Heil Hitler) stand mehrere Monate auf der
Heckscheibe eines anderen Wagens.
Hitler-Gruß 2001 in Hilchenbach:
Hier ein Bericht der Siegener Zeitung
29.März 2001
Nach Veranstaltung gegen rechte Gewalt:
Hilchenbach: Frau aus Pkw mit Hitler-Gruß behelligt
Sieg Heil gerufen / Anzeige erstattet / Bündnis: Rechtsextremisten
Grenzen zeigen
http://frodo.siegener-zeitung.de/sz-neu/archiv/artikel/2001032948873
1996: Hilchenbacher Judenfriedhof
geschändet. Die Siegener Zeitung berichtet:
16. November 1996:
Unternehmer Karl Weiß wollte Juden Arthur Schäfer schützen:
Ungewaschen kommt bei mir keiner aus der Fabrik
Flucht nach England geglückt Im Mai drei Tage zu Besuch bei Karl Hermann
Weiß Morgen Gedenkstunde auf Judenfriedhof http://frodo.siegener-zeitung.de/sz-neu/archiv/artikel/1996111628390
Natürlich ist es nur eine verschwindend
kleine Minderheit, die in dieser Art in Hilchenbach auffällig wird und den Ruf
Hilchenbachs in den Schmutz zieht. Dennoch muß darüber berichtet werden, auch um
deutlich zu machen, dass die Hilchenbacherinnen und Hilchenbacher mit diesen
Rechtsextremisten nichts zu tun haben wollen. Auch der Hilchenbacher Stadtrat hat in
einer scharfen Resolution unmißverständlich und einstimmig das Wirken solcher
Rechtsextremisten in Hilchenbach verurteilt.
Wer mehr wissen will -
interessante und wichtige Informationsquellen
http://www.ns-gedenkstaetten.de/nrw/de/siegen/ausstellung/
Aktives Museum Siegerland (in ehemaliger Synagoge)
http://www.ns-gedenkstaetten.de/nrw/siegen/index_2.php3
Die Familie Levi Holländer aus Hilchenbach
http://data.siegener-zeitung.de/sz-neu/archiv/artikel/2000111831957
Über den Judenfriedhof in Hilchenbach
http://home.t-online.de/home/cjz.siegen/
Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Siegen
http://www.geocities.com/sikaron_new/
Gegen das
Vergessen und zur Erinnerung - Eine Fülle von Dokumenten aus der Nazi-Zeit
http://www.auschwitz-muzeum.oswiecim.pl/html/eng/start/index.html
Das Museum von Auschwitz
http://www.dhm.de
Deutsches Historisches Museum - Ausstellung zur
NS-Vernichtungspolitik
http://www.gdw-berlin.de/start-d.html
Gedenkstätte deutscher Widerstand in
Berlin-Plötzensee
http://www.ghwk.de/deut/startneu0.htm
Gedenkstätte "Haus der Wannsee-Konferenz" mit vielen NS-Dokumenten zur "Endlösung der Judenfrage"
http://www.shoa.de/
Zukunft braucht Erinnerung! Eine sehr
umfangreiche Dokumentation über alle Konzentrations- und Vernichtungslager und über die Rassenpolitik der NSDAP
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