Rechtsradikale der Marktplätze verwiesen

Kreuztal ist bunt, nicht braun: Das zeigte sich bei der
Gegendemo
mehrfach – auch folkloristisch. Foto: nja |
Kreuztal /Hilchenbach
Bürger des nördlichen Siegerlands
setzten klare Zeichen gegen Fremdenhass und Ausgrenzung
Rund 1000 Demokraten boten gestern
in Kreuztal und Hilchenbach der NPD Paroli.
nja/js ♦ Nicht
einmal zwei Tage Planungszeit hatte die Stadt Kreuztal, um auf eine für
gestern Nachmittag angekündigte Kundgebung des NPD-Kreisverbands in der
Stadtmitte zu reagieren – und doch erreichten die kurzfristigen Aufrufe,
den Rechtsradikalen die Stirn zu bieten, viele Menschen: junge und alte,
Deutsche und Ausländer. Mehr als 500 Demokraten nahmen an der
kurzfristig anberaumten Gegendemonstration teil und brachten damit zum
Ausdruck, was das Motto der Veranstaltung war: „Kreuztal muss eine
lebendige und offene Stadt bleiben, Kreuztal braucht bunte Vielfalt
statt brauner Einfalt, Kreuztal muss demokratisch bleiben.“
Und während Kreuztals Bürgermeister Rudolf
Biermann, der heimische DGB-Vorsitzende Willi Brase, Kreuztals
Vorsitzende des Ausländerbeirats, Maria Grazia Schöttler, sowie Landrat
Paul Breuer sich in ihren Reden für ein Miteinander der |
Kulturen aussprachen, skandierte
ein Dutzend NPD-Vertreter auf dem benachbarten Roonstraßenparkplatz ausländerfeindliche Sprüche – lautstark gestört von
Gegendemonstranten, die ihrem Unmut mit Sprechgesängen Ausdruck
verliehen.
Auf dem Roten Platz, bei der Gegendemonstration
eines sich überparteilich gegründeten Bündnisses, ging es derweil
multikulturell und ernsthaft zu. Kreuztal habe sich bewusst gegen eine
Nichtbeachtung der NPD-Aktivitäten entschieden, sagte Bürgermeister
Biermann. „Wir wollten ein Zeichen für ein weltoffenes, buntes, im
Miteinander der Nationen lebendes Kreuztal setzen und damit zugleich ein
klares Zeichen gegen rechte Ideologie. Wir können und wollen Parteien
wie der NPD nicht die Deutung unserer Geschichte überlassen“ – auch und
gerade in diesem Jahr, in dem das Grundgesetz 60 Jahre alt werde.
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Auch die Hilchenbacher hatten es
geschafft, die Rechtsradikalen vom historischen Marktplatz fernzuhalten.
Während die NPD ihre Kundgebung in Dahlbruch wiederholte, fand auf der
Gerichtswiese und vor dem Rathaus ein
Bürgerfest statt. Weniger als zwei
Tage hatten Verwaltung, Schule, Kirchen, Ratsfraktionen und das
Bündnis für Toleranz und
Zivilcourage Zeit, dieses Fest auf die Beine zu stellen. Und auch
in Hilchenbach erwiesen sich die spontanen Planungen als Volltreffer.
Rund 500 Bürger der Stadt
setzten mit ihrer Anwesenheit ein Zeichen für die Demokratie und gegen
„rechte Rattenfänger“. Einige fanden sich aber auch auf dem
Bernhard-Weiss-Platz ein – manche lauschten hier der NPD-Kundgebung
kommentarlos, andere hielten mit friedlichem Gesang zur Klampfe dagegen,
wieder andere nutzten weniger harmonische Instrumente, um ihre Ablehnung
kundzutun. Hier wie in Kreuztal zeigte die Polizei deutlich Präsenz und
sprach abschließend von störungsfreien Veranstaltungen.
Bürgermeister Hans-Peter Hasenstab
mahnte, „auf der Hut“ zu sein und die Lehren aus der Geschichte ernst zu
nehmen. „Wir sind froh, dass es uns gelungen ist, die ,Stolpersteine‘ in
der Stadtmitte den Demokraten vorzubehalten.“ Hilchenbach sei eine
tolerante Stadt, die nur eines nicht toleriere – ewig gestriges
Gedankengut.
Pfarrer Martin Assauer erinnerte
daran, dass vor Gott alle Menschen gleich seien und nannte
neonazistische Parolen einen „Angriff auf die fundamentale Ordnung
unseres Zusammenlebens“. Sein Kollege
Rüdiger Schnurr sprach im Namen
des Bündnisses für Toleranz und Zivilcourage und warnte vor dem neuen
Auftreten der Rechten. „Sie kommen heute als Wolf im Schafspelz.“
Somit müsse die Gesellschaft besonders achtsam sein und dafür einstehen,
dass die Verbrechen des Dritten Reiches sich niemals wiederholten. Für
den Gewerkschaftsbund sprach SMS-Betriebsrat Wolfgang Schlabach. Er
forderte – gerade auch im Hinblick auf die Europawahl am Sonntag – alle
Demokraten auf, zur Wahl zu gehen. „Das ist das beste Mittel gegen
Rechts.“
Abgesehen von den Redebeiträgen
erwies sich das Bürgerfest tatsächlich als ausgesprochen bunt.
Musikalische Zeichen setzten die Rockband „Farrago“, die Tanzgruppe der
Stadtjugendpflege, das Rockmobil, das Jugendorchester der Stadt
Hilchenbach sowie Jan Vering und Pianist Mark Heilmann vom Siegener
Apollo-Theater. Sie sorgten mit ihrem Ausschnitt aus dem
Martin-Luther-King-Musical „Ich habe einen Traum“ für den emotionalen
Höhepunkt der Feier. Bei der heftig eingeforderten Zugabe „We Shall
Overcome“ verwandelten sie die Zuschauer in einen Chor, der
gemeinschaftlich eine Gegenstimme nach „Rechts“ erschallen ließ... |