Hilchenbacher Bündnis für Toleranz und Zivilcourage
Hilchenbacher Bürger/innen mit Unterstützung der Ev. Kirchengemeinde
Hilchenbach

Die Idee
Hilchenbach, eine Stadt mit ca. 17.500 Einwohnern im Kreis
Siegen-Wittgenstein, ist seit längerem mit rechtsextremistischen Aktivitäten
konfrontiert. In der Stadt wohnen einige bekennende und damit in der Öffentlichkeit
bekannte (durch staatliche Stellen ebenso beobachtete) Rechtsextremisten.
Dazu kommen häufig rechtsextreme Skins aus der Umgebung. Am Wohnhaus einer
rechtsextremen Skin - Wohngemeinschaft im Zentrum hängen Reichspostflagge
(der so genannten Reichskriegsflagge ähnlich), Ku-Klux-Klan-Fahne und
White-Power-Fahnen. An den Fahrzeugen der Rechtsextremen kleben
entsprechende Aufkleber. Wiederholt ist es zu Übergriffen gegen Ausländer
und Homosexuelle gekommen.
Zuletzt haben Skinheads im Juni 2001 unter Abbrüllen neonazistischer und
rassistischer Parolen auf mehrere Hilchenbacher Bürger, Ausländer wie
Deutsche, eingeschlagen.
Darüber, dass sich der Rechtsextremismus dermaßen in ihrer Stadt
ausbreitet, reagiert die Bevölkerung mit Entsetzen, Betroffenheit, Wut und
schließlich Protest bzw. Widerstand. Angesichts des Eindrucks, dass Teile
des Rats, der Verwaltung und auch der Polizei zunächst eher abwiegeln, ist
der Bürgerwille entstanden, selbst initiativ zu werden, um über die
Vorkommnisse öffentlich aufzuklären, die Zusammenhänge zu verdeutlichen
und politische Gegenstrategien zu entwickeln und zu artikulieren.
Das Bündnis
Eine Gruppe Hilchenbacher Bürger/innen initiierte mehrere Bürgerversammlungen,
um Erfahrungen auszutauschen und Gegenstrategien abzustimmen. Unter
Mitwirkung bzw. unterstützt vom Institut für Kirche und Gesellschaft der
EKvW, von der Evangelischen, der Katholischen und der Freien Evangelischen
Gemeinde und unter Schirmherrschaft des Bürgermeisters wurde das
"Hilchenbacher Bündnis für Toleranz und Zivilcourage" gegründet.
Von Bündnis 90/Die Grünen, der SPD und der FDP kam jeweils ein
Fraktionsmitglied hinzu. Der Rat der Stadt Hilchenbach beschloss eine
Resolution gegen Rechtsextremismus und politische Gewalt, Verwaltung und
Polizei wurden sensibilisiert. Für alle interessierten Bürger/innen finden
regelmäßig Informationsveranstaltungen statt über die rechtsextreme Szene
allgemein und in Hilchenbach speziell sowie beispielsweise zu rechtsextremen
Musikgruppen, zum Thema "Antisemitismus heute" wie
"Antisemitismus im Internet", und es werden Infostände
organisiert.
Ausführliche Informationen über Rechtsextremismus und wie sich die
Hilchenbacher dagegen wehren, kann jede/r auf der Internet-Seite des Bündnisses
(www.hilchenbacherbuendnis.de)
abrufen. Dort steht, an welchen Zeichen und Symbolen – Fahnen, Aufkleber,
Logos -Rechtsextreme zu erkennen sind, die Presseberichte zu den Übergriffen
und der strafrechtlichen Verfolgung sind nachlesbar, und es wird zur Unterstützung
des Bündnisses aufgerufen - bisher sind über 600 Bürger/innen, darunter
viele Schulen der Region, diesem Aufruf gefolgt.
Die Erfahrungen
In der Öffentlichkeit und in Teilen von Politik, Verwaltung, Polizei und
Presse sowie in einigen Vereinen und Verbänden findet das Bündnis bis
heute relativ starke Beachtung. Oft kommen aus benachbarten Kommunen Bitten
um logistische oder inhaltliche Unterstützung, wenn dort ähnliche
Initiativen gegründet werden.
Darüber hinaus ist es gelungen, eine gewisse Sensibilität für die
kritische Beobachtung und politische Einordnung der rechtsextremen Aktivitäten
in Hilchenbach und Umgebung zu schaffen. Die rechtsextreme Szene in
Hilchenbach ist erkennbar aufgeschreckt und verunsichert, was sich aus verändertem
Verhalten und persönlichen Äußerungen schließen lässt. Einige
Mitglieder des Hilchenbacher Bündnisses sind allerdings auch persönlich
anonym beschimpft und verunglimpft worden, eine Person wurde direkt bedroht,
einer weiteren hat man körperliche bzw. sachbezogene Angriffe angedroht.
Welche Langzeitwirkungen das Hilchenbacher Bündnis hat, lässt sich noch
nicht einschätzen. In jedem Falle wurde und wird deutlich und un-missverständlich
Bürgerprotest sowie Bürgereinmischung dokumentiert!
Kontakt
Institut für Kirche und Gesellschaft der EKvW
Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt KDA
Friedrichstr. 23, 57072 Siegen
Ansprechpartner: Günter Hensch
Tel. 0271 - 5003299, Fax 0271 - 5003296
g.hensch@kircheundgesellschaft.de